Montag, 11. Januar 2016

Der Glücksfund im Haus des Grossvaters

An den Junioren Schweizer Meisterschaften in Luzern haben Chelsea Fontenel und Jérôme Kym die Halbfinals erreicht. Im Falle von Fontenel wäre gar noch mehr drin gelegen.

Freud und Leid lagen bei Chelsea Fontenel (R3) am Finaltag der Junioren Schweizer Meisterschaften in Luzern ganz nahe beisammen. Sie war drauf und dran, zum allerersten Mal in ihrer Karriere ins Endspiel der nationalen Nachwuchstitelkämpfe einzuziehen. Nachdem sie im zweiten Satz gegen die Turniernummer eins Céline Naef (R2) bereits einen Matchball abwehren konnte, erspielte sie sich im dritten Durchgang ihrerseits zwei Matchbälle. Doch auch die 11-jährige Nachwuchshoffnung aus Kaiseraugst konnte ihre Matchbälle nicht verwerten und musste sich am Ende nach hartem Kampf mit 4:6, 7:5, 5:7 geschlagen geben. „Leider habe ich den Fokus bei den Matchbällen verloren. Vielleicht haben mich die Gedanken an den Final, der so nahe gewesen wäre, abgelenkt“, blickt Fontenel auf die entscheidende Szene zurück. „So zu verlieren ist schon ärgerlich und schmerzt sehr.“
Mit etwas Abstand kann sich Chelsea Fontenel, die neben dem Tennisplatz mit ihrem Gesangstalent von sich reden macht, trotzdem über ihre zweite Medaille an nationalen Junioren Meisterschaften freuen. Und das zu Recht, denn sie ist ihrer Favoritenrolle als Turniernummer drei mit zwei klaren Siegen und einem starken Halbfinalspiel gerecht geworden. „Ich habe mich über meine erste Medaille im Sommer mehr gefreut, aber es ist auch jetzt ein tolles Gefühl, dass ich nicht mit leeren Händen, sondern mit einer Bronzemedaille nach Hause komme“, sagt Fontenel, die Ende Januar zum ersten Mal ein internationales Juniorenturnier im Ausland bestreiten wird.

Start ins Halbfinale verschlafen
Einer der weiss, wie man ins Finale von Junioren Schweizer Meisterschaften kommt, ist Jérôme Kym (R2). Der Junior aus Möhlin hat in seiner noch jungen Karriere schon drei Titel gewonnen und wollte am vergangenen Wochenende in der Kategorie U14 die vierte Goldmedaille folgen lassen. Doch dieses Ziel verpasste Kym. Und das obwohl der 12-Jährige mit drei Siegen – zwei davon über drei Sätze – seine Kämpferqualitäten unter Beweis gestellt und in der zweiten Runde mit Jean-Marc Malkowski (R2) die Nummer vier des Turniers ausgeschaltet hatte. „In diesem Match habe ich wirklich sehr gut gespielt. Ich war aggressiv und habe gekämpft. Das war mein bestes Spiel in diesem Turnier“, so Kym.
Im Halbfinal gegen Jeffrey von der Schulenburg (R1) lief es Kym dann nicht mehr nach Wunsch. Nachdem er den ersten Satz komplett verschlafen hatte (0:6), vermochte er sich zu steigern, doch im Entscheidungssatz ging ihm die Luft aus. „Es war sehr schwierig im dritten Satz, denn ich spürte die Müdigkeit von den vorherigen Matches. Ich glaubte zwar bis zum letzten Punkt an den Sieg, aber es hat nicht gereicht. Auch wenn ich eigentlich gewinnen wollte, bin ich mit Bronze ganz zufrieden“, sagt Kym, der seit drei Jahren in Frenkendorf an seiner Tenniskarriere feilt.

Zufällig ein Tennisracket gefunden
Tennisprofi zu werden, ist der grosse Traum des jungen Fricktalers. Dafür trainiert er 13 Stunden pro Woche, besucht eine Sportschule und ist genau wie Chelsea Fontenel Mitglied des Nachwuchskaders von Swiss Tennis. Und Kyms bisherige Erfolge zeigen, dass er im Umgang mit Racket und Filzball sehr talentiert ist: Neben seinen drei Schweizer Meistertiteln hat er die Schweiz auch bereits an der Team Europameisterschaft vertreten dürfen und spielte letzten Sommer das U13-Juniorenturnier in Roland Garros. Dass Jérôme Kym überhaupt zum Tennissport gefunden hat, ist reiner Zufall. „Im Haus meines Grossvaters fand ich hinter einer Tür ein Tennisracket“, erinnert sich Kym, der damals rund fünf Jahre alt war. „Ich wusste nicht, was das ist und habe gefragt. So habe ich mit Tennis begonnen.“ Ein wahrer Glücksfund, wie sich längst gezeigt hat.

Text und Bild von Chelsea Fontenel von Fabio Baranzini, Bild von Jérôme Kym von Alvaro Maffeis

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